Artenschutz

„Die Alten Dakota waren weise. Sie wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird; sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, die den (jungen) Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung und Kultur.“

 

– Luther Standing Bear

Passen Artenschutz und Tourismus zusammen?

 

Ich bin ganz klar der Ansicht “ja”, allerdings sollte man sich als Organisator dem Thema sehr reflektiert und verantwortungsbewußt nähern und umsetzen. Reisen ist eine phantastische Art unsere vielfältige und einzigartige Erde kennenzulernen, es erweitert den Horizont in jede Richtung und setzt damit genauso Naturschutzprojekte in Gange wie Zerstörung durch Massentourismus. Wohin sich jeder einzelne wendet, entscheidet er selbst…

 

Als positives Beispiel möchte ich dafür unsere Touren nach Portugal anführen. Als Pedro und Anabela vor mehr als einem Jahrzehnt begannen die Wildpferde und Wölfe zu erforschen wurden sie zunächst stark von der lokalen Bevölkerung angeriffen. Denn die Wölfe wurden als Schädlinge betrachtet und die Wildpferde als Nahrungskonkurrenten zu den Haustieren.

 

Durch unsere Touren mit kleinen Gruppen, bei denen wir strikt darauf achten, das sie sich nicht störend auf das Gleichgewicht in der Natur und für das kulturelle Leben im Ort auswirken, entwickelte sich über die Projektarbeit der Beiden und durch unsere Touren ein Gedankenaustausch von Fremden und Einheimischen. Es wuchs langsam bei einigen Stolz und Verständnis auf ihre “Natur-Schätze” und dadurch auch der Wunsch dies zu erhalten. Wir achten darauf, dass die Einheimischen davon partizipieren, indem in lokalen Pensionen oder Hotels genächtigt wird, in lokalen Restaurants gegessen wird. Und es ist selbstverständlich oberste Priorität nicht in das Verhalten von Wildtieren einzugreifen oder ihren Lebensraum zu verändern.

 

Durch meine vielen individuellen Reisen, bin ich davon überzeugt, dass wir Menschen viel eher bereit sind etwas zu schützen und zu erhalten, was wir kennen und lieben. Und damit wird Tourismus dieser Art zum wirklichem, nachhaltigem Reisen im Sinne der Natur und der dortigen Kultur.
Meine Gründung von Perlenfänger beruhen auf drei Schlüsselerlebnisse:
Die sehr intensive Begegnung mit einem Wildpferd in Australien.
Die Begegnung mit einer Wolfsfamilie in Alaska und eine interessante Begegnung mit einem alten Aboriginie.

 

Wir unterhielten uns über die Unterschiede von Naturvölkern und der industrialisierten Zivilisation sowie der Art wie wir die Natur, Naturvölker und die Tiere behandeln. Er sagte damals etwas, dass ich niemals vergessen werde. Es war seine ganz persönliche Ansicht, warum wir, die sogenannte zivilisierte Welt, die Natur und unsere Erde zerstören. Seiner Meinung nach geschieht dies deshalb, weil wir bewerten!

Als Beispiel sagte er zu mir: Wir Aborigines betrachten alles linear, das bedeutet, für uns sind die Menschen, die Tiere, die Pflanzen, ja selbst die Steine alle gleich wichtig. Es gibt keine Bewertung was besser oder schlechter ist. Jedoch die meisten Menschen auf der Erde und allen voran, die Industrienationen, bewerten ständig! Wir betrachten uns als das Wertvollste, dann kommen die Tiere, danach die Pflanzen und dann, um bei seinem Beispiel zu bleiben, die Steine.

 

Um es zu verdeutlichen nannte er uns ein Beispiel: Betrachtet man Elefanten und die Ameisen, ist sicher für die Mehrheit ein Elefant wertvoller als eine Ameise. Doch warum? Sehr oft einfach nur deshalb, weil der Elefant größer ist? Daher fällt es vielen auch so leicht eine Ameise zu töten, ohne ein schlechtes Gewissen, bei einem großen Tier haben sehr viele Menschen eine höhere Hemmschwelle.

 

Oder wenn wir zum Beispiel mit dem Auto fahren und überfahren versehentlich einen Vogel, so haben die Meisten ein sehr viel schlechteres Gefühl damit, als wenn sie eine Vielzahl an Schmetterlingen oder andere Insekten auf jeder Fahrt töten… Doch wieso eigentlich? Beides sind fühlende Wesen und haben beide eine wichtige Rolle im Ökosystem. Auch bringen beide die gleichen Höchstleistungen. Schmetterlinge wie Vögel können teilweise riesige Strecken fliegen. Es stellt sich die interessante Frage: Woran liegt es? Ich habe auch keine endgültige Antwort, doch seine Ansicht, weil wir bewerten und entscheiden wer wertvoller ist oder wer nicht und dies sehr oft an die Größe gekoppelt ist, klingt für mich nachvollziehbar!

 

Hat der Aborigenie uns damals unbeabsichtigt eines der großen Geheimnisse mitgeteilt, die es uns ermöglichen könnte, mit unserer Natur und allen Mitgeschöpfen respektvoll zu leben, indem wir jedes Lebewesen, ob Pflanze, Tier oder Mensch, gleich viel Bedeutung und Respekt zuteil werden lassen? Würden wir nicht sehr viel empathischer mit all unseren Mitgeschöpfen umgehen, wenn wir endlich aufhörten in einer Rangfolge zu bewerten, wer wertvoller ist?!

 

Abschließend zu einem unserer wichtigen Punkte unserer Philosophie von Perlenfänger, sagte in Alaska ein Guide zu unserer kleinen Abenteurergruppe, bevor wir in die Wildnis aufbrechen wollten: “Entweder ihr seht Wildtiere, oder ihr seht nichts, aber garantiert ist dafür alles echt und authentisch!” Für mich ist diese Tour bis heute ein unvergessliches Erlebnis geblieben, gerade weil Andy uns “sein Alaska” mit Herz und Leidenschaft gezeigt hat ohne etwas künstlich erzwingen zu wollen. Auch er hat dadurch ohne es zu wissen, einen wichtigen Grundpfeiler meiner Philosophie bei Perlenfänger geprägt.

 

Na wenn das keine guten Aussichten für  ein “once-in-a-liftime-Erlebnis” auf einer unserer Touren sind!
Ihre Sabine Bengtsson

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Schlüsselerlebnis mit einem Wildpferd in Australien

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Beim Bäumepflanzen mit dem Partner Klimapatenschaft

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Wölfe und Wildhunde brauchen endlich unseren Schutz und Respekt