Jedes Mal seit 1997!!!, trifft es mich immer und immer wieder wie einen Stich ins Herz, wenn ich erneut lese, dass unverändert in Australien die Brumbies nach wie vor brutal aus Helikoptern abgeschossen werden, die Mustangs und Wildesel in den USA brutal über Round-Ups zusammen getrieben werden, um am Ende entweder als Adoptionspferd ein gefangenes Leben führen zu müssen, oder im Schlachthaus landen. Auch in Europa ergeht es den wild lebenden Pferden nicht besser, auch sie werden brutal erschossen, wenn sie auf dem Land grasen, wo Rinder (angeblich) Vorrang haben!
Dabei ist es mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, wie wichtig große Pflanzenfresser für ein gesundes Ökosystem sind. Sie halten Flächen offen und verteilen durch ihren Kot Samen, so dass dadurch viele Pflanzen und Tierarten überleben können, die sonst längst verschwunden wären. In Portugal im National-Park, wo unsere Reit und Wildpferdebeobachtungstouren stattfinden, kann man dies schön beobachten! Sie leben dort in der Symbiose mit den iberischen Wölfen, die ihre Anzahl auf ein für die Natur gesundes Maß hält – sofern der Mensch nicht dazwischen funkt!!!
Daher ist echter Wildtierschutz, ihre Lebensräume zu erhalten oder neue zu schaffen!
Hier auch eine österreichische Studie von Science ORF
Warum gehören gerade Wildpferde, Wildesel, Wölfe und Wildhunde für mich zu den bedeutesten Tieraten
Auch hier gehe ich in meinem Buch darauf ein.
Kurz zusammengefasst: Sie sind als Hauspferd, Hausesel und Hund mit die längsten Begleiter der Menschen und ohne sie hätten wir niemals diese kulturelle Entwicklung machen können und stünden nicht dort, wo wir heute sind. Mit ihnen wurden fremde Kontinente durchquert, Geschichte neu geschrieben, unser Besitz beschützt und so weiter…
Auszug aus dem Buch „Gefährte Pferd“ von Sabine Bengtsson zu den Wildpferden in Neuseeland, Australien und den USA:
Ich durfte ihnen 1997 in Australien mehrfach begegnen und war beeindruckt unter welchen harten Bedingungen sie überleben können. Mitten im heißen, trockenen Outback, sie sahen trotzdem super genährt und gut aus. Die Menschen ließen sie einfach frei, als die Maschinen kamen. Und nun betrachten die eingewanderten Weissen sie als Pest, anstatt ihnen Respekt zu zollen. Ohne sie hätten die Einwanderer nie überlebt. Interessanterweise betrachten die Ureinwohner sie als Teil Australiens, Neuseelands oder den USA und respektieren sie!
In Auckland angekommen, haben wir uns zunächst orientiert und stießen dabei vor einem Laden auf eine Unterschriftenliste gegen den Abschuss der Kaimanawa-Wildpferde. Bis dato hatten wir noch nie von ihnen gehört, doch es interessierte uns. So nahmen wir Kontakt zum dem Ansprechpartner auf und saßen bereits am nächsten Tag in seiner Küche.
Eric McL. war Biologe und beobachtete die Pferde schon lange. Durch ihn wurde unser roter Faden für die Weltreise zufällig gelegt und ich bin ihm bis heute dafür dankbar! Von ihm erhielten wir weitere Kontakte in Australien und den USA und er erzählte uns von der Geschichte dieser wilden Pferde und über ihr Schicksal.
Wildpferde oder wilde Pferde? Diese Unterscheidung kann über Leben oder Tod entscheiden!
Unsere erste Station: Neuseeland
Als die weißen Siedler nach Neuseeland kamen, brachten sie auch ihre Pferde mit. Sie waren es, mit denen sie die neue Welt erobern konnten. Sie zogen den Wagen, pflügten den Acker und dienten als Reitpferd. Als ihre Ära zu Ende ging und sie durch Traktoren und Autos ersetzt wurden, wollten viele sie loswerden.
So entließ man sie einfach in die „Freiheit“ und sie mussten sehen, wie sie überleben.
Die Aupouri-Pferde
Von ihnen gelang es einigen Pferden problemlos. Schließlich sind 6000 Jahre Domestikation ein Wimpernschlag gegenüber 60 Millionen Jahren auf der Erde zu sein. Sie kehrten in die alten Herdenstrukturen zurück und fanden sich prima mit der neuen Situation zurecht.
Doch wie der Mensch so ist: Dankbarkeit gehört nicht in sein Vokabular, vor allem wenn es um Haustiere geht.
Sie wurden den Farmern ein Dorn im Auge, fraßen sie doch das gleiche Gras wie die Rinder und Schafe, die nun wirtschaftlich das Wichtigste für sie waren. So verdrängte man sie mehr und mehr in wirklich karge Gebiete. Doch auch das meisterten sie und fanden sich zurecht.
Erste Begegnung mit Wildpferden
Zu der Zeit, als wir dort waren, es war 1997, hatte das Militär vor, sein Gebiet auszuweiten. Schon damals lebten die Pferde auch im Militärgebiet und der Biologe erzählte uns, dass sie manchmal als lebendes Ziel genommen wurden. Doch nun hatte man beschlossen, sie dort komplett zu entfernen. Außerdem argumentierte man, sie gehören ja sowieso nicht nach Neuseeland und wären ja auch nur verwilderte Pferde.
Schafe und Rinder gehören ebenso wenig nach Neuseeland, aber damit verdienten die Menschen jetzt Geld! Das Auge des Betrachters blickt manchmal etwas verzerrt!
Und wohin mit ihnen? Es war ein Politikum. Der Abschuss wurde öffentlich diskutiert!
Verwildert oder wild?
Die Ureinwohner, die Maoris, waren dagegen. Sie waren der Ansicht, sie seien jetzt ein Teil dieser Welt und es ist nicht richtig, sie zu töten. Doch auch die Maoris hatten zu der Zeit nicht viel zu sagen!
Der Biologe erzählte uns ungeheuerliche Dinge: Um bei der Bevölkerung und im öffentlichen Ansehen nicht schlecht da zu stehen, beschloss man Pferde einzufangen und ein paar Wochen nicht ausreichend zu füttern. Dann wurden Journalisten eingeladen und ihnen die abgemagerten Tiere präsentiert, mit der Aussage, es wäre ein Akt der Tierfreundlichkeit sie zu dezimieren, da sie in dem Gebiet nicht ausreichend Nahrung finden würden. Wie perfide!
Zweite Station: Australien
Wir versuchten eine Genehmigung zu bekommen, in das Gebiet zu gelangen. Doch es wurde abgelehnt mit der Aussage, dort finden militärische Übungen statt und es ist zu gefährlich. Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns in der Umgebung mit Menschen zu unterhalten, was sie davon hielten.
Viele waren empört über dieses Vorgehen und man beschloss, eine Adoptionsaktion zu starten, um sie wenigstens vor dem Tod zu bewahren. Sarah und Gordy H. waren besonders engagiert. Mit ihnen hatten wir noch ein länger Briefkontakt und blieben so auf dem Laufenden über die Situation der Kaimanawa-Wildpferde. Von ihnen bekamen wir den Tipp in den Norden zu fahren, dort lebte eine weitere Population, wir nannten sie die Aupouri-Pferde, genannt nach dem Gebiet in dem sie lebten.
Begegnungen und Vorurteile
Sie waren auf einer Holzplantage in Meernähe zu Dünen und Strand. Die Ernährung war ähnlich karg, es gab Dünengrass und das wenige Grass das zwischen den Plantagen wuchs. Manchmal so sagte man uns, kann man sie am Strand sehen.
Dort erhielten wir eine Genehmigung das Gebiet betreten zu dürfen. Wir überlegten, wie wir sie finden können und hatten die glorreiche Idee am Wasserplatz unter freiem Himmel zu schlafen – wir waren zu der Zeit noch unerfahrene Wildpferdeboebachter!
Doch wir hatten nicht mit der Schlauheit der Pferde gerechnet, natürlich hatten sie uns schon entdeckt, bevor wir wussten, wo sie waren. Und so blieben sie der Wasserstelle fern. Es war heiß, kein Schatten in der Dünenlandschaft in Sicht und extrem anstrengend durch den tiefen Sand bergab und bergauf zu wandern. Wir wollten schon fast aufgeben, als wir weit entfernt eine kleine Herde entdeckten.
Charlie und die Brumbies
Unsere ersten Wildpferde in Neuseeland auf der Nordinsel
Unsere letzten Kräfte mobilisiert, machten wir uns auf, in ihre Richtung. Der Wind stand günstig für uns und so kamen wir näher heran. Eine andere Herde war ebenfalls in Sichtweite und so erlebten wir unsere allererste Begegnung zweier wild lebender Pferdeherden. Wir waren erstaunt, wie gut genährt sie waren bei dem kargen Nahrungsangebot. Ihre Hufe waren topp und das Fell glänzte.
Die Hengste liefen aufeinander zu und zeigten durch Dominanzgesten dem Anderen seine Stärke. Ritualisierte Auseinandersetzungen helfen meistens schwere Verletzungen zu vermeiden. Als dies geklärt war, kehrte jeder zu seiner Familie zurück und hielt eine imaginäre Linie ein, die keiner der Pferdeherden überschritt.
Die Begegnung, die mein Leben veränderte
Mutiger geworden, näherten wir uns einer der beiden Gruppen. Ein kleiner, aber stattlicher schwarzer Hengst, war hier der Anführer. Als er uns entdeckte, galoppierte er auf uns zu und es wirkte nicht freundlich. Doch wenige Meter vor uns stoppte er und machte deutlich, wo unsere Grenze ist. Wir akzeptierten sie und konnten ein paar Stunden in ihrer Nähe verweilen und sie beobachten.
Es war ein wirklich faszinierendes erstes Erlebnis mit wilden Pferden. Doch es sollte nicht unser Letztes sein!
Verwildert, oder wild entscheidet darüber, ob sie geschützt sind
Immer wieder hörten wir das Argument verwilderte Pferde sind nichts Wert und sie haben keinen Schutzstatus verdient, nicht nur damals und nicht nur in Neuseeland wird so argumentiert, auch heute noch ist es ein gängiges Argument in den USA, Australien und selbst in Europa!
Doch wer entscheidet, was „verwildert“ ist und was „wild“?! Ist ein Pferd nicht wild, wenn es über 250 Jahre ohne menschliches Zutun in den kargsten Gebieten überleben konnte? Dieser kleine Zusatz „ver-“ entscheidet, ob sie leben dürfen oder nicht. Verrückt, oder?!
Andere Stationen
Als wir Neuseeland verließen um weiter nach Australien zu reisen, blieben wir in ständigem Kontakt mit dem Biologen und Sarah und Gordy. Ihre Nachrichten waren alles andere als ermutigend. Die Adoptionen verliefen teilweise tödlich, da sich die Pferde bereits im Hänger so schwer verletzten, das sie die Fahrt nicht überlebten und auch die Abschüsse waren so enorm, dass der davor große Genpool, erheblich zusammen geschrumpft war… da sehr viele Hengste getötet wurden.
Es machte uns traurig und auch fassungslos, wie doppelzüngig wir Menschen argumentieren.
Kaum verdienen wir Geld mit ihnen, können sie herumlaufen wo immer sie wollen, doch wehe wir brauchen sie nicht mehr, oder es handelt sich um Wildtiere, die ebenso keinen wirtschaftlichen Gewinn bedeuten, gibt es kein Pardon. Und kein Argument ist zu schmutzig, um sie aus ihrem Lebensraum zu entfernen!
Kann ein Sattel mehr Wert haben, als ein Pferd?
Die Aboriginie und ihre Sicht
Auch in Australien begegneten wir den wilden Pferden. Ihre Geschichte hatte den gleichen Verlauf und auch ihr Schicksal ist ähnlich. Auch hier sahen die Pferde erstaunlich gut aus, dafür das sie jeden Tag um ihr Überleben kämpfen mussten. Jedoch mit dem Unterschied, dass es mehr Fläche gab. Doch damit auch größere Farmen. Auch in Australien betrachtete man sie als wertlose Schädlinge und nicht selten dienten sie den Farmern als billiges Hundefutter.
Manchmal wünschten wir uns andere Erfahrungen zum Thema Wildpferde, Wildhunde machen zu können. Doch die Realität war, mit einigen Ausnahmen, so. Nichts desto trotz, waren die Begegnungen mit wilden Tieren, Menschen von Naturvölkern, oder das Sein in einer wilden Natur einfach wundervoll, fantastisch und glichen alles an negativen Dingen aus, die wir eben auch erlebten.
Charlie und die Brumbies
Der neuseeländische Biologe Eric hatte uns einen Kontakt zu einem Mann gegeben, der die australischen Wildpferde, auch Brumbies, genannt, zu Wanderreitpferden ausbildete, um so die Menschen von ihrem Wert zu überzeugen. Doch bevor wir Charlie S. treffen konnten, vergingen noch ein paar Wochen.
Immer wenn wir auf Wildpferde oder Wildesel trafen, verschwanden sie sofort im gestreckten Galopp am Horizont. Sie hatten gelernt, den Menschen zu meiden, nicht nur durch sogenannte Cullings, bei denen sie aus dem Hubschrauber abgeschossen wurden, sondern auch durch die direkte Begegnung mit Menschen, bei denen sie sogar aus dem Auto heraus beschossen wurden.
Die letzte Begegnung
Egal mit wem wir sprachen, niemand ließ ein gutes Haar an ihnen, ebenso wenig wie an den Dingos. Auch sie waren zum Feindbild des Menschen geworden, jagte er doch die frei herumlaufenden Rinder und Schafe. Uns erinnerte dies an den Hass auf Wölfe in anderen Teilen der Welt. Doch gleichzeitig zeigten sie uns stolz ihre Arbeitsreitpferde oder die Hütehunde.
Diese Ambivalenz hat mich nicht mehr losgelassen, bis heute. Ich will verstehen, warum der Mensch das Pferd und den Hund so liebt, jedoch die wilden Verwandten so sehr hasst, ohne die es jedoch unsere domestizierten Wegbegleiter nicht geben würde und ohne die wir niemals diese kulturelle Entwicklung hätten machen können. Und ohne die unsere Natur sehr viel ärmer wäre, denn jedes Lebewesen hat seine einzigartige, wichtige Funktion. Ich habe eines wirklich auf dieser Weltreise verstanden – alles hängt eng miteinander zusammen und ist miteinander verzahnt. Fällt ein Rädchen aus, stockt es an vielen Stellen oder kommt sogar zum Stillstand.
Es ist unsere Aufgabe, alle noch so kleinen Rädchen, Wert zu schätzen und dafür zu sorgen, dass sie einwandfrei funktionieren.
Ein Aboriginie, mit dem wir uns in Australien lange unterhielten, hat es sehr viel schöner und poetischer ausgedrückt. Er sagte: „Alles ist gleich wichtig, egal ob Stein, Pflanze, Tier oder Mensch. Wir sind alle auf einer Linie und damit gleich viel Wert.“ Seiner Ansicht nach zerstören wir unsere Welt deshalb, weil wir Bewertungen vornehmen, was nach unserer Ansicht nach wertvoller ist und was nicht. Als Beispiel nannte er den Elefanten, den sicher viele von uns wertvoller einschätzen, als eine Ameise. Daher töten wir eine Ameise schneller und leichter, als einen Elefanten. Und genau das ist für ihn die Krux daran. Würden wir keine Bewertungen vornehmen und sie damit beide gleich wertvoll empfunden werden, würden wir automatisch sensibler und sorgsamer mit unserer Natur umgehen. Davon war er überzeugt und ich kann mich dem aus vollem Herzen anschließen!
Für die Aborignie und auch die Natives in den USA und den Maoris in Neuseeland, haben übrigens die Wildesel oder Wildpferde längst eine Berechtigung dort leben zu dürfen und sie als ihre Mitgeschöpfe akzeptiert!
Die Brumbies und Charlie
Endlich erreichten wir Charlie. Er war gerade auf einer Tour durch Ostaustralien, um den Menschen einen sanfteren Umgang mit dem Pferd zu vermitteln und um ihnen die Brumbies näher zu bringen. Er zeigte den Menschen, wie stark, zäh und wertvoll sie sind…
Wir vereinbarten einen Treffpunkt und machten uns auf den Weg. An den australischen Akzent gewöhnten wir uns schnell, er gefiel uns und auch an die Unkompliziertheit der Australier. Charly begrüßte uns mit einem breiten Grinsen und einem festen Händedruck. Er wirkte sehr sympathisch und wir merkten ihm sofort an, dass er für die Pferde lebt!
Er erzählte uns, dass in Australien zu der Zeit der Sattel mehr Wert hatte, als ein Pferd und das viele Stockmen (australische Cowboys) ihren Sattel mit zur nächsten Farm nehmen, nicht jedoch das Pferd, eben aufgrund des Wertes. Das hatte zur Folge, dass die Arbeitspferde oft Satteldruck hatten. Und das die Stockmen immer mehr auch in den Minen arbeiten, da sie dort mehr Geld verdienen. Dadurch verloren sie ihr Wissen im Umgang mit den Pferden, was er sehr bedauerte.
Zu der Zeit war es auch nicht unüblich hinter vorgehaltener Hand ein sogenanntes Mouthcutting zu machen, das bedeutete, sie schnitten die Mundwinkel der Pferde ein, damit sie wieder „sensibler“ werden. Gegen all das und auch um den Menschen zu zeigen, wie wertvoll ein Brumby als Reitpferd ist, fahre er durch Australien, gibt Kurse, bildet Brumbies aus und wird nicht müde Überzeugungsarbeit zu leisten.
Arbeit mit dem Brumby
Er fragte uns, ob wir ihn bei seiner Arbeit mit einem Brumby im Roundpen zuschauen möchten?!
Und ob wir wollten. Das Pferd stammte aus einem Gebiet, bei dem die Pferde immer wieder nah an Straßen zu finden waren. Da es vermehrt zu Unfällen kam, hatte man die Pferde eingefangen, um sie ins Schlachthaus zu bringen.
Dieses Pferd konnte er retten und hatte gerade erst mit seiner Arbeit begonnen.
Es war hochspannend ihn dabei beobachten zu können. Er war stets ohne jede Form der Aggression, dennoch sicher in seiner Führung und immer klar im Handeln. Das Pferd wirkte überhaupt nicht gestresst und bestimmte den zeitlichen Verlauf. Anders als ein bestimmter Pferdemann aus den USA, ging es hier ganz und gar nicht darum, mit laufender Uhr zu dokumentieren, ein rohes Pferd in 30 Minuten reiten zu können.
Ihm war wichtig, das das Pferd ihm vertraut und nicht überrannt wird. Ihm ging es um das Pferd, nicht um Ruhm!
Charlie bei der Arbeit mit einem australischen Wildpferd!
Lernen von Charlie
Hinterher erzählte er uns, dass er in der Zeit, in der er beginnt mit einem Wildpferd zu arbeiten, kein Fleisch isst. Die Pferde würden sehr sensibel darauf reagieren, wenn er als Raubtier, also als Fleischfresser, erkannt würde. Die Hautausdünstungen nehmen sie sehr sensibel wahr. Auch wie man sich einem Wildpferd nähert, lernten wir von ihm.
Wie sinnvoll das war, sollten wir zu einem späteren Zeitpunkt noch erleben!
Er nahm uns zu einem Freund auf eine Farm mit, auch dort arbeitete er mit dessen Pferden. Als uns dieser Mann freundlich einen Kaffee anbot, mochten wir nicht Nein sagen. Doch die Becher hatten schon eine „Schmutzpatina“ und das Handtuch mit denen er die Becher abtrocknete, konnte wirklich alleine stehen. Wir waren mittlerweile jedoch so abgehärtet, dass unser Magen-Darmtrakt dies problemlos vertrug. Zum Glück!
Charlys Haltung
Charly hatte Jahre zuvor in Amerika eine Zeit bei Pat Parelli verbracht und viel von ihm gelernt. Als es ihm jedoch zu kommerziell wurde, kehrte er nach Australien zurück.
Nun hatte er seine eigene Methode entwickelt, pferdegerecht auszubilden.
Einen Satz werde ich nie vergessen, den er uns mit auf den Weg gab, als ich ihn fragte, wie er all das harte Vorgehen bei den Pferdeleuten dort aushält, ohne zu verzweifeln. Er sagte mir: „Wenn ich auch nur einen Menschen in meinem Leben dazu gebracht habe, sensibler und pferdegerechter mit den Pferden umzugehen, dann war mein Leben nicht vergebens“!
Was für eine großartige Einstellung und so wahr. Denn 100% erreichen zu wollen, kann nur zur Verbitterung führen. Doch mit dieser Haltung erklärt sich, warum er sein freundliches Wesen gegenüber allen Menschen behalten konnte, die es oftmals einfach nur nicht besser wussten!
Er schickte uns auch noch Jahre nach unserer Begegnung immer wieder einmal ein Video, wie er mit den Pferden arbeitete. Ich bin sehr dankbar, diesen Menschen getroffen zu haben.
Empfehlung für die USA
Charly gab uns die Empfehlung, wenn möglich, in den USA Tom Dorrance, den Urvater des Western Horsemanship aufzusuchen. Auch dies wurde später in den USA ein Meilenstein auf unserer Weltreise und bleibt unvergesslich.
Die Begegnung, die mein Leben veränderte
Wir verabschiedeten uns von ihm und machten uns auf den Weg durch ein einsames Outbackterritorium. Eine Schotterpiste führte durch die unendliche Weite…
Plötzlich bemerkten wir eine Gruppe von Pferden, die nah von unserer Straße entfernt, parallel zu uns durch das Outback galoppierten.
Wir stoppten, in der Annahme wie sonst auch, die Pferde in einer Staubwolke am Horizont entschwinden zu sehen. Doch als wir anhielten, taten dies auch die Pferde. Ich stieg aus und bewegte mich, wie ich es von Charly gelernt hatte, auf die Pferde zu, blieb dann stehen und sah zu Boden.
Es passierte etwas, was ich nie für möglich gehalten hätte: Ein Pferd löste sich aus der Gruppe der Junghengste und kam direkt auf mich zu. Ich hielt den Blick gesenkt und blieb völlig regungslos und entspannt stehen. Als der Hengst direkt vor mir stand, streckte ich meine Hand aus und ich spürte auf einmal seine weiche Nase.
Erst da hob ich den Kopf und wir sahen uns direkt in die Augen!
Dieses Gefühl wird sich für immer in mein Herz einbrennen und nie vergesse ich seinen offenen, neugierigen Blick, der direkt in mein Herz ging, obwohl all diese Pferde keine guten Erfahrungen mit Menschen hatten. Ich war eine Woche wie im Traum, dieses Gefühl bei unserer Begegnung war einfach zu unbeschreiblich.
Lange Zeit konnte ich in nur mit großer Anstrengung in einen Reitstall gehen, denn die Augen dieser Pferde dort waren traurig, teilweise tot, obwohl sie alles hatten, was wir Menschen denken, was sie brauchen und sie nicht um ihr tägliches Überleben kämpfen mussten, wie die Wildpferde! Doch eines hatten sehr viele dieser Pferde nicht mehr: ihre Persönlichkeit, ein artgerechtes Leben und ihre Würde – genommen durch den Menschen!
Die Begegnung mit diesem Wildpferd war der Moment, in dem ich entschied, ich werde eines Tages meinen Teil dazu beitragen, dass diese wundervollen Geschöpfe mehr Wert geschätzt und besser geschützt werden. Das Menschen besser verstehen oder vielleicht sogar ähnliche Erfahrungen machen dürfen, um zu verstehen, wie einzigartig unsere Natur, die wilden Tiere sind, um sie erhalten zu wollen!
Vielleicht sogar zu erleben, wie es ist, wenn sich ein wildes Pferd (ein Wildtier) mit einem absoluten Urvertrauen einem Menschen nähert, freiwillig und ohne etwas zu erzwingen!
Diese Begegnung wurde der Auslöser Jahre später eine ganz andere berufliche Richtung einzuschlagen. Nämlich meine Naturreiseagentur mit Artenschutz, Perlenfänger, zu gründen; mit dem Fokus auf Wildpferde und Wölfe.
Doch das ist eine andere Geschichte…
Der Weg auf den Spuren der Wildpferde geht weiter
Diese Erlebnisse mit Charly und dem kleinen Hengst in Australien haben mir den Weg geebnet, auch in Europa Begegnungen mit Wildpferden erleben zu dürfen, für die ich sehr dankbar bin!
Zum Abschied gab uns Charly dann noch einmal seinen sehr wertvollen Tipp! Er sagte erneut, wenn wir es möglich machen können, sollen wir versuchen Tom Dorrance zu treffen. Für ihn ist er der wichtigste Mann, wenn es um das echte Horsemanship geht!
Internet war 1997 nur an ganz wenigen Stellen verfügbar und so gingen wir in eine Bibliothek und fanden heraus, dass er zu der Zeit, wenn wir geplant haben in den USA zu sein, eine „dreitages-Clinic“ (einen Kurs) in Omaha/Nebraska geben wird.
Er war damals 89 und so beschlossen wir, dies irgendwie so einzurichten, es hinzubekommen dort zu sein.
Wie es weiterging
Wer wissen möchte was wir noch zu den Wildpferden und der Pferdewelt insgesamt erlebt haben, kann dies in meinem Buch weiterlesen…
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