Naturtourismus, nachhaltiger Tourismus, Outdoor-, und Aktivtourismus und schließlich auch der Ökotourismus, es gibt soviele Begriffe, die schnell vermischt werden.

Dabei ist es meiner Ansicht nach ganz wichtig, hier eine klare Unterscheidung vorzunehmen, denn nicht jeder Natur-, Outdoor, oder Aktivtourismus ist auch verträglich mit der Natur oder ökologisch.

Warum, möchte ich in diesem Blogbeitrag näher beleuchten.

Die International Ecotourism Society versteht unter Ökotourismus »verantwortliches Reisen in Naturgebiete, das die Umwelt schützt und den Wohlstand der Einheimischen mehrt«. Dies ist zwar nur eine von unzähligen Definitionen, dafür aber eine kurze und prägnante, die zudem zeigt, dass Ökotourismus – anders als der Begriff nahelegt – nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Komponente hat.

Diese Definition zeigt schon auf den ersten Blick, dass es hier ganz offensichtlich noch um mehr Aspekte geht, als sich nur in der Natur zu bewegen.

Gerade zurück von einem Kongreß bei dem es um den Ökotourismus in Asturien geht, fiel mir deutlich auf, dass es sowohl Vermischungen, als auch Mißverständnisse gibt.

So wurde immer wieder der neu aufgekommene E-Bike-Tourismus als Ökotourismus bezeichnet, der Tatsache geschuldet, dass es sich um E-Bikes handelt und um eine Aktivität in der Natur.

Doch gerade der E-Bike-Tourismus entwickelt sich zu einem ähnlichen Problem wie der Kreuzfahrttourismus, mit fatalen Folgen für die Natur und Wildtiere. Denn er eröffnet einer viel größeren Zielgruppe die Möglichkeit nun selbst in anspruchsvollen, eher unzugänglichen Gebieten mit dem E-Bike unterwegs sein zu können, wo es zuvor eine natürliche Beschränkung auf dem normalen Fahrrad durch die körperliche Fitness gab, kann nun auch der wenig trainierte Mensch dorthin gelangen. Die Folge: Viel mehr Menschen sind in Gebieten unterwegs, die das “Wohnzimmer” von Wildtieren und der Natur sind.

Durch die höhere Anzahl an Menschen, die sich jetzt in der Natur bewegen, enstehen Störungen, Zerstörungen und es werden sogar Tiere und Pflanzen vernichtet. Es ist die neue Art von Massentourismus, nur dieses Mal nicht am Strand sondern in sehr empfindlichen Naturregionen.

Hierzu möchte ich ein Beispiel nennen: Wir waren im Rahmen des Kongresses in einem Teil des Nationalparks der Picos de Europa unterwegs. Dort leben sowohl seltene Tiere als auch Pflanzen. Hinweisschilder wiesen deutlich eine sensible Zone von Reptilien an einem Seeufer aus, die dort ihre Kinderstube haben und überwintern. Es wurde erklärt, warum es streng verboten ist, sie zu betreten. Da jedoch weder der Wander-, noch der E-Bike Tourismus strukturiert ist (nur geführte Touren mit einem Ranger) oder kontrolliert wird, waren überall Fahrrad-, und Laufspuren abseits der markierten Wege querfeldein zu sehen, die auch durch diese sensible Zone führten. Es lag Müll herum und durch die neu geschaffenen Spuren, abseits der ausgewiesen Wege entstanden Bodenerosionen und vernichtete damit wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Das hier die Reptilien auch durch das Befahren und Betreten getötet werden, braucht sicher nicht extra erwähnt werden. Für ein Selfie am Ufer oder vermeintlich mehr Fahrspaß sterben Tiere, werden Pflanzen zertrampelt, die teilweise nur dort vorkommen und eh schon bedroht sind!

Hier wird ganz deutlich, dass diese Menschen offensichtlich die Natur nur benutzen. Ihnen ist es völlig egal wo sie ihre sportliche Tätigkeit ausüben, ob in einem Nationalpark oder in einem Stadtpark. Für diese Menschen ist eine struktierte, geführte Tour ein Muß. Denn nur so kann verhindert werden, dass die Natur beeinträchtigt wird und man hat die Chance durch die Aufklärung durch einen Guide eine Sensibilisierung zu erzielen und das Verhalten der Menschen zu kontrolllieren.

Es stellt sich jedoch generell für mich die Frage, ob Outdoor-, und Aktivtourismus (wie Rafting, Biking, Climbing, Zip-Lining, Speed-Hiking..) überhaupt etwas in einem Nationapark oder einer unberührten Naturregion zu suchen hat.

Der Mensch hat die Natur schon so weit zurück gedrängt, dass wenigstens Nationalparks, oder Naturreservate lediglich für den Slow,- oder den echten Öko-Tourismus zugänglich gemacht werden sollten. Denn sie sind oftmals die letzten Refugien für viele Wildtiere und seltene Pflanzen. Die Biodiversität findet hier ihre letzten, damit auch für uns, überlebenswichtigen Lebensräume!

Was heute in der Tourismusbranche vielfach als Naturtourismus angeboten wird, ist nichts weiter als ein Aktivtourismus bei dem die Natur lediglich den Rahmen zur Verfügung stellt, um diese Aktivitäten ausüben zu können. Oder um es krasser zu sagen, die Natur wird dafür “benutzt”! So wird es denn auch beworben mit Begriffen wie “Energie Tanken”, “Abschalten können”, etc… Die Coronapandemie hat dies noch befeuert! Doch was haben die Wildtiere, die Natur davon?

Denn wenn wir uns im natürlichen Lebensraum von Wildtieren, Pilzen, Pflanzen und Bäumen befinden, sind wir der Gast. Und sollten wir uns dann nicht auch wie ein guter Gast benehmen?

Der Respekt sollte die höchste Priorität darstellen und es sollte für uns selbstverständlich sein die Wege nicht zu verlassen, keinen Müll zu hinterlassen, unnötigen Lärm zu vermeiden und bei Begegnungen mit Wildtieren den größtmöglichen Abstand zu wahren, um sie nicht zu vertreiben, oder sie zu zwingen unnötig Energie verschwenden müssen, um vor uns zu fliehen.

Strenge Regelungen zum Schutz der Natur helfen, so dass für jeden klar ist, wo wir nichts zu suchen haben und wie wir uns zu verhalten haben – allerdings nur dann, wenn sie auch kontrolliert und eingehalten werden.

Echter Ökotourismus beachtet dies und er bietet einen großen Vorteil für alle. Denn wenn ausschließlich lokale Naturguides Menschen in Kleinstgruppen leiten, können sie rechtzeitig eingreifen und verständlich machen, warum es so wichtig ist sich respektvoll zu verhalten und es schafft außerdem wertvolle Arbeitsplätze für dort lebenden Menschen. Denn sie haben das größte Interesse die Natur zu schützen und zu schonen. Damit haben am Ende alle etwas davon.

Das bedeutet auch, dass sich der Tourismus dem bewußt wird und nicht auf jeden Zug aufspringt, sondern genau hinterfragt, ob die Art des Angebotes auch wirklich naturverträglich ist und der Region einen echten Mehrwert bringt. Wir können es uns einfach nicht mehr leisten so zu tun, als gäbe es das dramtische Artensterben und die großen Verluste von Lebensräumen nicht.

Fazit:

Ökotourismus ist es für mich dann, wenn wirklich alle davon profitieren: die Natur, die Wildtiere, die lokale Bevölkerung, die Teilnehmer und der Reiseveranstalter.
Dabei geht es nicht um Green-Labels oder Zertifizierungen hierzu, sondern echtes Engagement, Authentizität und gelebter Respekt vor der Natur und der dortigen Bevölkerung! Wer das wirklich lebt, braucht kein Label!

Im Tourismus steckt ein riesengroßes Potential etwas für den Natur-, und Artenschutz zu tun, nur wollen muss man es und sich dessen bewußt sein! In einigen Nationalparks in Italien wurde deshalb der Bike-Tourismus und vor allem der E-Bike-Tourismus bereits wieder aus den oben genannten Gründen verboten!

Schöner wäre es, wenn man sich im Vorfeld Gedanken macht, was es für die Natur bedeutet und nicht erst dann reagiert, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Und schön wäre es auch, wenn es mehr Reiseveranstalter gäbe, die genau überlegen was sie anbieten und warum.

Doch kann auch jeder einzelne Reisende seinen Teil dazu beitragen, in dem er sich fragt, ob es wirklich sein muss seine sportlichen Aktivitäten in geschützten oder besonderen Naturgebieten ausüben zu wollen. Man sollte sich den Veranstalter genau anschauen, bei dem man bucht und mit gesundem Menschenverstand hinterfragen, ob es ökologisch vertretbar ist und die dortige Bevölkerung mit einbezieht.

Wer will schon einen Gast haben, der laut in unserer Wohnung herumtrampelt, seinen Müll überall liegen lässt, Dinge kaputt macht und der vor allem uneingeladen kommt.

Wir haben den größten Verlust an Artenvielfalt seit Mitte der 60-er Jahre. Umso wichtiger sind die letzten Rückzugsgebiete für viele Tiere und Pflanzen. Sie brauchen uns nicht, aber wenn wir schon in ihren Lebensraum gehen, sollten wir uns dann nicht auch wie ein guter Gast benehmen, der sich respektvoll benimmt und der nichts als nur seine Fußspuren hinterlässt, oder der die Distanz wahrt um niemanden zu (v)erschrecken?!

Die ökologischen Zusammenhänge zu verstehen, die Faszination Erde zu begreifen und ihr mit Respekt zu begegenen, das ist das was mich als Naturreiseveranstalterin antreibt.

Wäre nicht so etwas ein guter Grund um in die Natur zu gehen, anstatt im Affentempo beim Rafting, auf E-Bikes, an der Zip-Line oder beim Speed-Hiking durch die Natur zu rasen?!