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      Texte und Fotos: Copyright Sabine Bengtsson / Perlenfaenger.com –

       

      Bereits aus dem Flugzeug lässt sich die Vielfalt der Sierra Nevada in Andalusien erahnen.

      Mit dem höchsten Berg auf der iberischen Halbinsel, dem Mulhacen mit 3.482 m Höhe, beindruckt sie genauso wie die einzige Wüstenregion Europas im östlichen Teil.

      Mich erwartet eine spannende Woche mit internationalen Gästen aus UK und den USA, geführt von meinem Partner für die Luchs-, und Naturtouren, Juan Carlos. Er ist bereits seit 11 Jahren im Ökotourismus tätig und weist zudem eine beeindruckende Vita als Biologe und Naturfotograf auf.
      Mit Juan Carlos können unsere Teilnehmer nicht nur in die Welt der ibersichen Luchse eintauchen, sondern auch die ganze Vielfalt der unterschiedlichen Ökosysteme in Andalusien kennenlernen. Wir bieten sowohl individuell zugeschnittene Touren an, als auch unsere ausgeschriebene Rundreise in Andalusien.

      Da uns der Erhalt des iberischen Luchses am Herzen liegt, unterstützen Sie beispielsweise auf unserer Luchstour durch Ihre Teilnahme das wertvolle Luchs-Schutzprojekt mit 5% für die Luchserhaltung, etwa 55 € pro Person gehen an den WWF, um den Kaninchenbeständen im Gebiet des Iberischen Luchses zu helfen. Es ist seine Hauptnahrung und ohne sie kann er nicht überleben.

      (Link zu den Spanien Touren)

      In Malaga am Flughafen weht mir ein warmer Wind von 20° entgegen, doch das soll nicht so bleiben. In den Bergen der Sierra Nevada ist es auch im November nachts schon frostig kalt und am Tage geht das Thermometer nicht über 10°. Wohin gegen die Wüstenregion deutlich wärmer ist.

      Eine beeindruckende Tier-, und Pflanzenwelt hat hier ihr Zuhause. Seltene und endemische Arten werden wir in den nächsten Tagen ausreichend sehen können, genauso wie die Population des  iberischen Steinbocks, die sich durch strikten Schutz sehr gut erholt hat.

      Wir fahren circa zwei Stunden bis zu unserem ersten Exkursionspunkt. Nah bei Granada verbringen wir die erste Nacht und werden den höchsten Berg den Mulhacen erkunden. Er ist mit 3.482 Metern der höchste Berg des spanischen Festlands und der Iberischen Halbinsel…

      Die Gruppe ist sehr homogen und wir haben bereits am ersten Tag viel Spaß und fühlen uns alle sehr wohl miteinander. Jeder von uns kommt aus dem Naturtourismus-, und Naturschutz und interessiert sich sowohl für die Tiere, als auch für die Pflanzen und die dortige Kultur. Juan Carlos ist dort geboren und man spürt, wie sehr er dieses Fleckchen Erde liebt. Er kennt jede Pflanze, jedes Insekt und jedes Tier. Bereits am Ankunftstag fahren wir zu einem wunderschönen Aussichtspunkt, der einen fantastischen Blick auf Granada und die Sierra Nevada zulässt.

      Unsere Unterkunft ist eine kleine familiengeführte Unterkunft. Sie liegt in einem Vorort von Granada. Wir haben einen fantastischen Blick vom Frühstücksraum auf die schneebedeckten Berge und Granada. Abends geht es in ein Lokal, das typisches regionales Essen serviert. Sie bieten uns 9 Gänge mit den unterschiedlichsten Gerichten, um uns soviel wie möglich an regionalen Gerichten zeigen zu können. Frisch zubereitet und mit außergewöhnlichen Kombinationen. Derart gestärkt, geht es am nächsten Tag ins Gebirge in einen sogenannten botanischen Garten. Hier wachsen wild viele endemische seltene Pflanzen und es lassen sich Vögel sowie Steinböcke beobachten.

      Bei strahlend blauem Himmel beginnen wir unsere Wanderung. Schon nach kurzer Zeit entdecken wir duftende Wildkräuter, seltene Bäume und Pflanzen sowie eine Vielzahl an Vögeln. Eine Destillerie für die Gewinnung von ätherischen Ölen befindet sich mitten in dem Gebiet. Juan Carlos erklärt uns wie dort das ätherische Öl gewonnen wird. Auch in Deutschland werden ätherische Öle zunehmend für viele interessant als Ergänzung zur Schulmedizin.

      Am Rangerhaus, das gleichzeitig ein kleines Naturkundemuseum beinhaltet, werden wir unsere Mittagspause verbingen. Die Sonne hat mittlerweile soviel Kraft, dass wir draußen sitzen können. Hinter dem schönen alten Haus befindet sich ein Berg und als wir ihn mit dem Fernglas absuchen, sitzt dort tatsächlich ein stattlicher Steinbock mit mächtigen Hörnern. Wir sind begeistert, gleich zu Beginn soviel Glück zu haben…

      Wir setzen unsere Fahrt fort und fahren zum Fuße des höchsten Berges auf der iberischen Halbinsel. Auf 3.200 m Höhe parken wir und folgen einem kleinen Pfad. Bereits nach ein paar hundert Metern entdecken wir weitere Steinböcke, junge Männchen und ein Steinbock mit einem leuchtend roten GPS-Halsband, der seine Wanderungen aufzeichnet.

      Die Aussichten sind atemberaubend, gefrorene Wasserfälle schließen Pflanzen im Eis ein und überziehen einige Hänge mit einer Eisfläche. Das Ziel ist ein Wasserfall, der unbändig ins Tal schießt. Von weiten sehen wir einen Naturfotografen, der dies Naturschauspiel mit der Kamera einfängt. Was er nicht sehen kann, ein Steinbock-Männchen hat ebenfalls vor zum Wasserfall zu gelangen. Als er den Fotografen erspäht, jagt er im atemberaubenden Tempo über den Berghang. Wir können großartige Bilder davon machen, das wäre sicher auch für diesen Fotografen spannend gewesen, doch er hat den Steinbock nicht bemerkt.

      Ich berühre zum ersten Mal in diesem Jahr Schnee und atme die klare kalte Bergluft ein. Unsere Reise führt uns weiter in den süd-östlichen Teil der Sierra Nevada. Kleine Bergdörfer hoch an den Hängen, die wie weiße, kleine Punkte aussehen, lassen erahnen wie hart das Leben der Menschen früher hier gewesen sein muss.

      Unser Ziel für die Nacht ist eine fantastische kleine Hotelanlage mit traditionellen Häusern in einem alten Dorf mit 600 Einwohnern. Es schmiegt sich an den Berg und bietet einen schönen Blick ins Tal. In der Hotellobby knistert ein Feuer im Kamin. Am Abend finden sich alle von uns ein, um die Erlebnisse des Tages zu teilen und später in einem nahen Restaurant zu essen…
      Die Küche ist auch hier abwechslungsreich und die Qualität der Lebensmittel hervorragend.

      Für den nächsten Tag steht auch ein kulturelles Programm auf dem Plan. Wir fahren ins nächste Dorf, dass sich zu Recht als eines der schönsten Dörfer der Regionen nennen darf. Es ist bekannt für seine Webkunst. Eine kleine Weberei mit zwei Webstühlen, die älter als 150 Jahre sind, ist unser Ziel. Die Besitzerin empfängt uns freundlich in ihrem kleinen Laden. Im Untergeschoss mit einem sagenhaften Blick ins Tal, steht ihr großer Webstuhl. Beeindruckt sehen wir ihr bei ihrer Arbeit zu.

      Danach erkunden wir das schöne Dorf und zum Mittagessen geht es auf eine kleine Dachterrasse eines Restaurants. Hier erleben wir mit Abstand das leckerste Essen der Reise. Liebevoll zubereitet mit essbaren Blüten und vielen heimischen Früchten servieren sie uns zunächst die Vorspeise. Guacamole mit Granatapfelkernen und Blüten zu leckerm selbstgebackenen Brot runden die Vorspeise ab. Danach gibt es eine Abfolge von Gängen mit einer Suppe aus Bohnen, Wildkräutern und Kartoffeln, Lamm mit Gemüse und hinterher eine Auswahl an traditionellem Desert.

      Derart gut gestärkt machen wir uns auf den Weg, um am Nachmittag zwei Wanderungen in unterschiedliche Gebiete zu unternehmen. Zunächst geht es höher hinauf ins Gebirge. Doch der Wind ist so stark und kalt, dass wir die Tour abkürzen. Entschädigt werden wir mit einigen tollen Beobachtungen wie Heidelerchen, Sommergoldhähnchen, Dompfaff, Alpenkrähen… und sogar einem Habichtsadler.

      Auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft passieren wir ein Tal, dass am Ende ein kleines Dorf hat und einen Pfad, der uns an einen wunderschönen Ort mit einem riesigen alten Baum führt. Auch hier lassen sich Vögel, seltene Pflanze und sogar noch einige Schmetterlinge beobachten. Wir genießen die warme Nachmittagssonne, bevor es weiter Richtung Unterkunft geht.

      Die großartige Vielfalt der Sierra Nevada ist wirklich beeindruckend und Andalusien nur auf die weißen Dörfer und den Strand zu reduzieren wäre ein großer Fehler. Mit jemanden wie Juan Carlos als Naturführer, entdeckt man hingegen die Vielfalt dieser Landschaft und die große Bandbreite an den unterschiedlichsten Tieren, die hier leben.

      Auf dem Programm steht ein Besuch bei einem Rinderzüchter. Doch er züchtet nicht irgendwelche Rinder, es sind die stark bedrohten Pajuna Rinder. Pajuna ist eine seltene spanische Rinderrasse, die dem ausgerotteten Auerochsen, der Stammform der meisten Hausrinder, in einigen Merkmalen sehr ähnlich ist. Es existieren nur noch rund 600 Tiere. Er hält sie in den Bergen frei und hat sogar schon Tiere nach Deutschland als Landschaftpfleger verkauft. Dort weiden sie zusammen mit den Konik-Pferden und halten wertvolle Landschaften offen für seltene Tiere und Pflanzen. Heute soll eine seiner Herden geimpft werden, um dann wieder frei gelassen zu werden. Ein Bordercollie unterstützt ihn bei seiner Arbeit. Wir wandern dazu einen Weg hinauf in die Berge und können Geier und sogar einen Steinadler mit dem Fernglas ausmachen. Als wir in seinem Corral ankommen, sind sie bereits dabei die Rinder in ein Treibegatter zu bugsieren, um sie impfen und untersuchen zu können. Es sind wunderschöne Tiere mit sanften Augen und einer schönen Fellzeichnung. Sie beäugen uns kritisch und als sie den Hang herunter galoppieren ist ihnen die Erleichterung deutlich anzumerken zurück in die Freiheit zu dürfen. Wir machen uns auf den Rückweg und entdecken noch eine Steinbockmutter mit ihrem Kalb ganz in der Nähe der jetzt grasenden Rinderherde.

      Kurz vorm nächsten Übernachtungsziel stoppen wir noch an einem Wasserfall, der gelbes Wasser führt. Es ist extrem eisenhaltig und liegt versteckt unterhalb einer Dorfstrasse. Am Abend erreichen wir unser vorletztes Hotel. Auch dies ist familiengeführt. Der Besitzer bietet Yoga an und hat einen Wellness-, und Spabereich selbst kreiert. Ich entspanne vor dem Abendessen in der Dampfsauna und dem Indoorpool mit Massagedüsen…

      Am nächsten Tag werden wir eine ganz andere Landschaft erkunden, die in dem östlichen Teil der Sierra Nevada liegt. Es ist eine Canyon,- und Wüstenregion.

      Wer schon mal in den USA im Bryce-Canyon war, wird sich hier daran erinnert fühlen. Wir entdecken viele Pflanzen, die sich diesen extremen Lebensraum angepasst haben und auch viele Vögel lassen sich beobachten. Ein Steinkauz beäugt uns kritisch vom Felsen, bevor er sich aus dem Staub macht. Diese Wanderung ist sehr besonders. Wir bewegen uns in einem Trockenflussbett und folgen dem Canyon über Kilometer. Nach jeder Biegung bietet sich ein anderes Bild und auch hier leben Steinböcke, die wir heute jedoch nicht finden.

      Bevor wir zu unserer letzten und wohl spektakulärsten Unterkunft, einem Höhlenhotel, fahren, leitet Juan Carlos uns zu einem seiner Lieblingsplätze. es ist ein wirklich spektakulärer Canyon am Rande des Ortes mit dem Höhlenhotel. Im rötlichen Abendlicht entdecken wir zwischen den Felsen einige iberische Steinböcke und können fantastische Bilder von ihnen machen. Oben am Rande dieses Canyons zu stehen und Steinböcke zu beobachten ist wahrlich ein krönender Abschluss unserer Naturrundreise durch die Sierra Nevada…

      Juan Carlos konnte alle mit seiner begeisternden und kompetenten Art mitreißen… Als Naturfotograf hat er zudem jederzeit ein Auge für alles was sich in der Natur bewegt und es entgeht ihm kaum ein Tier oder eine Pflanze, die wir bestaunen und beobachten können. Als es dunkel wird, fahren wir in das älteste Höhlenhotel in dieser Region. Bereits die Vorfahren des jetzigen Besitzers erstellten vor über 100 Jahren die ersten Höhlen. Als vor einigen Jahrzehnten der Nachkomme auf die Idee kam hier ein Hotel draus zu machen, wurde er zunächst belächelt. In den Höhlen wohnten nur arme Leute. Daher konnte sich niemand vorstellen, dass Gäste kommen, die dafür auch noch zahlen…

      Doch es sollte anders kommen… Mittlerweile gibt es in dieser Region, nördlich am Rande der Sierra Nevada gelegen, einige Höhlenhotels - doch unseres ist das Erste gewesen!
      Als wir ankommen, empfängt uns ein großes Tor durch das wir auf altem Kopfsteinpflaster ins Hotelgelände fahren. Die Gebäude sind weiß gekalt und die Höhlen mit Erde und Bäumen bewachsen. So richtig kann sich keiner von uns vorstellen, wie es ist darin zu übernachten. Doch als jeder von uns seine „Höhle“ bezieht, wird schnell klar, eine Höhle ist nicht gleich eine Höhle. Sie sind sehr geschmackvoll mit antiken Möbeln eingerichtet, der Boden besteht aus wunderschönen alten Terrakottafliesen mit glasierten Dekorfliesen. Die Höhle ist riesengroß, auch die Kleineren für zwei Personen. Es gibt eine Küche, einen Wohnbereich, ein schönes Bad mit Mosaikfliesen und im hinteren Teil den Schlafbereich. Einige Höhlen sind sogar zweistöckig und haben einen kleinen Balkon.

      Im Restaurantbereich befinden sich kleine Räume in einer Höhle und ein lichtdurchfluteter Gastraum mit Sommerterrasse und Kamin. Das Essen ist auch hier von hoher Qualität und einer sehr guten Auswahl. Die Weine und das lokale Bier runden das Angebot ab.

      Der nächste Tag ist dann am Vormittag noch eine wunderschöne Wanderung in einem Tal mit einem alten Mischwald und bewaldeten Berghängen, an denen wir erneut Steinböcke beobachten können. Auf dem Rückweg können wir noch einen großen grünen Lizard aus seiner sonnenbeschienenen Sandhöhle beobachten. Auf dem Rückweg dürfen wir eine ganz nahe Begegnung mit einigen Steinböcken machen. Sie klettern direkt am Dorfrand in den Bergen herum und rennen auch plötzlich im rasenden Tempo über die Straße. Gott sei Dank kommt in dem Moment kein Auto… Wir atmen alle auf und setzten unsere Fahrt fort.

      Der Nachmittag endet mit einem Workshop und einem tollen Abschiedsessen und Flamenco. Als ich am nächsten Morgen aus der Höhle trete, sind die Berge dick verhangen und es ist zum ersten Mal ein grauer Himmel zu sehen… Auf dem Weg nach Malaga regnet es und in den Bergen fällt der erste Neuschnee. Es ist nicht zu übersehen, der Herbst geht in den Winter über, auch in Andalusien. Mit einem Unterschied, das Licht ist hier strahlender und es bleibt länger hell.

      Ich freue mich schon auf das nächste Wiedersehen, in einem der vielfältigsten Landschaften auf der iberischen Halbinsel…

      Welche Vögel konnten wir beobachten:
      Heidelerche, Erlenzeisig, Zilzalp, Sommergoldhähnchen, Birkenzeisig, Alpenkrähe, Teydefink, Buchfink, Schwarzkehlchen, Habichtsadler, unterschiedliche Geierarten, Rotkehlchen, Eichelhäher, Elster, Rotschwanz (Garten-, und Hausrotschwanz), Star, Steinsperling, Zippammer, Blau-, Tannen-, und Kohlmeise, Bachstelze, Alpenbraunelle, Steinadler, Steinkauz, Steinhuhn, Grünspecht, Wachholderdrossel, Blaumerle, Schwarzdrossel, Turmfalke, Dompfaff, Stieglitz, Wintergoldhähnchen, Einfarbstar, Fichtenkreuzschnabel…

      sowie den iberischen Steinbock, verschiedene Schmetterlingsarten, Green Lizard, Hornissen, Blauflügelgrashüpfer und viele endemische Pflanzenarten.