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      Böse Bauern - gute Gartenbesitzer?
      Warum das Insektensterben uns alle angeht und es gar nicht so schwer ist etwas dagegen zu tun…

      Copyright/Text: Sabine Bengtsson / 25.08.2019

      Schnell wird mit dem Finger auf den vermeintlich einzigen Verursacher des Insektensterbens gezeigt –  den Landwirt mit seinen Pestiziden. Natürlich tragen Pestizide erheblich dazu bei und natürlich bewirken auch keine winzig kleinen, oftmals lieblosen Blühstreifen in Monokultur mit Sonnenblumen, ein Wunder. Doch Landwirte alleine sind nicht die Verursacher und es hilft den Insekten wenig, wenn wir uns darüber streiten, wer Schuld an der Misere ist, anstatt zu handeln.

      Was also kann jeder von uns tun, um das dramatische Insektensterben zu stoppen?

      Erlauben Sie mir zunächst ein paar Zahlen zu nennen, damit jeder weiß wovon wir reden:

      Eine wissenschaftliche Studie vom Januar 2019 warnt, nach Überprüfung der Insektenpopulationen:

      40% der Arten könnten innerhalb der nächsten Jahrzehnten ausgelöscht werden.

      Diese Studie zum Insektenrückgang in den letzten zehn Jahren wurde in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ veröffentlich und besagt in Zahlen:

      • 53 % weniger Schmetterlinge
      • 49 % weniger Käfer
      • 45 % weniger Bienen
      • 37 % weniger Libellen
      • 25 % weniger Fliegen

      Im Fazit heißt es: „Wenn der Verlust von Insektenarten nicht gestoppt werden kann, wird dies katastrophale Folgen sowohl für die Ökosysteme als auch für das Überleben der Menschheit haben“, sagte der Hauptautor der Studie Francisco Sánchez-Bayo von der University of Sydney, in Australien.

      (Quelle mit dem Link zur Studie: https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/studie-landwirtschaft-verantwortlich-fuer-insektensterben-551626 )

      Den Kopf in den Sand zu stecken ist keine Option, ebenso wenig wie der Fingerzeig auf die Politik oder Agrarwirtschaft in der Hoffnung, sie werden es schon richten.

      Dabei gibt es vielerlei, schnell einzurichtende Möglichkeiten, die sowohl Privatleute-, als auch Firmen und Kommunen auf ihren Flächen tun können.

      Als da wären die üblichen Verdächtigen, wie:

      - „Tote“ Rasenflächen, vor allem die, die weder Gänseblümchen, noch Löwenzahn oder andere Wildpflanzen enthalten (dürfen). Sie kann man verkleinern, um Flächen mit heimischen Blüh-, oder Wildsamenpflanzen anzusiedeln. So entstehen Flächen, die den Insekten und damit ebenso den Vögeln Nahrung bieten. Zum Beispiel: Sommerflieder, Malve und viele andere Pflanzen mehr… Auch eine Blühwiese, die einmal korrekt angelegt wurde, erspart später viel Arbeit, da das ständige Rasenmähen entfällt . Lassen Sie unbedingt eine wilde Ecke zu, die unangetastet bleibt. Sie dient mit Brennnessel, Klee und Co als überlebenswichtige Insel für viele  Insekten und gibt Ihnen zudem mehr Freizeit. Dazu ist im kleinsten Garten Platz. Ich selbst habe eine nur 40 qm große Terrasse, von der etwa die Hälfte mit insektenfreundlichen Pflanzen und sogar einer wilden Ecke zahlreiche Insekten und damit auch Vögel anlockt.

      - Statt Buchsbaum, Kirschlorbeer und Co, lieber eine angepflanzte Hecke aus Bienennährgehölzen. Hier finden Sie ein Beispiel von zahlreichen Angeboten aus dem Internet:
      https://www.baumschule-horstmann.de/bienen-naehrgehoelz-hecke-aus-10-pflanzen-729_98198.html

      - Es sollte nicht extra erwähnt werden müssen, dass selbstverständlich Pestizide nichts in einem Garten zu suchen haben. 4 % der Gesamtfläche in Deutschland besteht aus Gärten, das ist in etwa die gleiche Fläche wie bei den Naturschutzgebieten. Das bedeutet die Gartenbesitzer könnten ganz leicht einen großen und positiven Einfluss auf den Arten-, und Naturschutz nehmen!

      - Laubbläser -, und Sauger. Sie haben eine verheerende und todbringende Auswirkung auf Lebewesen, die am und im Boden leben. Nicht nur, dass sie zusätzlich den Boden nachhaltig schädigen und austrocknen und die Insekten durch den hohen Druck töten, ohne Laubhaufen können viele Tiere den Winter nicht überleben! Die Laubharke ist eine naturschonende und günstigere Variante! Aufgeräumte Gärten ohne Laub, bieten keinen Lebensraum für viele Insekten, oder den Igel! Lesen Sie hierzu auch: Laubsauger und Laubbläser schaden Mensch und Natur

      Wussten Sie, dass mittlerweile auch der Igel um sein Überleben kämpft. Nicht nur der Straßenverkehr setzt ihm mächtig zu, nein auch fehlende Nahrung. Man sieht mittlerweile sogar Igel mit einem sogenannten Hungerknick, eine lebensbedrohliche Unterernährung! Bitte lesen Sie hierzu auch diesen Artikel.

      Doch kommen wir abschließend zu einem Punkt, der meines Erachtens noch viel zu wenig Beachtung findet und mindestens ein ebenso großer Verursacher ist wie die intensive Landwirtschaft, der Straßenverkehr oder die verarmten, aufgeräumten Gärten. Da dies jedoch jeden einzelnen von uns betrifft, darüber wird nicht so gerne gesprochen:

      - Die zunehmende Lichtverschmutzung!

      Jede Nacht sterben allein in Deutschland Milliarden Insekten unter den Laternen, den Haustür-, oder Gartenlichtern, der Reklamebeleuchtung und weiteren unzähligen Lichtquellen…

      Insekten fliegen solange um die künstliche Lichtquelle bis sie erschöpft zu Boden sinken und sterben. Kaum einer macht sich darüber Gedanken, das gerade er eine Todesfalle errichtet hat, indem er sein Haus rund um mit nächtlicher Deko-Beleuchtung ausstattet, oder der Gartenteich so schön angeleuchtet wird. Nebenbei bemerkt, weiß man mittlerweile auch, dass Bäume durch das nächtliche Kunstlicht in ihrem natürlichen Hell-Dunkel-Zyklus gestört werden und damit anfälliger für Krankheiten und geschwächter bei Angriffen von Schädlingen sind.

      Unsere Ortschaften sind allesamt überleuchtet und selbst in kleinen Dörfern, wo nachts niemand unterwegs ist, brennt die ganze Nacht die Straßenbeleuchtung und auch so manche Hausbeleuchtung ist permanent eingeschaltet. Sie töten stetig, still und schweigend Milliarden Insekten jede Nacht, nur allein in unserem Land.

      Löbliche Ausnahmen sind wenige kleine Ortschaften, auch in dem Dorf, in dem ich wohne wird wenigstens von halb eins bis halb Fünf die Beleuchtung ausgeschaltet. Es ist keine große Zeitspanne und hat noch Potenzial nach oben, aber immerhin, in unserem Dorf sterben dadurch sehr viel weniger Insekten und bieten damit auch Vögeln eine größere Nahrungsgrundlage!

      Selbst wenn es vorrangig (noch) nicht für die Insekten getan wird, es hilft der Natur und den Menschen bereits jetzt schon gleichermaßen. Denn Insekten und Vögeln sind die Gründe letztlich egal, Hauptsache sie überleben. Den Bewohnern kommt es zu Gute, weil sie hier noch einen natürlichen, gesunden Hell/Dunkel-Schlafrhythmus haben, unbeeinflusst von dem schädlichen Licht der LED oder Energiesparleuchten.

      Sie verursachen nachgewiesenermaßen durch den hohen Blaulichtanteil den sprunghaften Anstieg der gefürchteten Augenkrankheit, der degenerativen Makula, die zur Blindheit führen kann. Mittlerweile sind selbst Jüngere betroffen, da zusätzlich auch viele technische Geräte mit dieser Lichttechnik arbeiten.

      (Weitere Informationsquellen:
      https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/LED-Lampen-foerdern-Makuladegeneration,led266.html

      Eine sehr ausführliche, gut zu lesende Studie: https://www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umwelt/naturschutz/artenschutz/himmelsstrahler/HF_sections/content/ZZlNEqP2HgAxfR/ZZlNEvGfRoqJap/AuswirkungenNachtlicht_SWILD_2007.pdf

      https://www.naturpark-bayer-wald.de/auswirkungen-auf-tier-pflanzenwelt.html )

      Es könnte so einfach sein und ist es eigentlich auch. Dazu gehört lediglich ein bisschen fester Wille, bei dem einen oder anderen sicher auch ein Umdenken über die sogenannten „Unkräuter“ und der „bösen“ Dunkelheit. Doch für die zukünftigen Generationen und auch für uns selbst, wäre es ein kleiner, aber keinesfalls unbedeutender Teil etwas gegen das Insekten-, und Vogelsterben getan zu haben, die letztlich auch unser Überleben sichern.

      Und wenn wir dann abends in unserem blühenden Garten oder dem Balkon sitzend, in den nachtschwarzen Sternenhimmel blicken, wohl wissend, das wir morgen gut erholt erwachen, auch durch das Summen der vielen Insekten, dann war es doch ein guter Tag…