In der Erdgeschichte gab es bereits fünf große Wellen des Artensterbens. Doch bislang sind noch niemals in einem so kurzem Zeitfenster soviele Arten für immer von der Erde verschwunden wie in den letzten Jahrzehnten. Im Mai 2019 hatte der Weltrat für Biodiversität (IPBES) einen Bericht veröffentlicht, nach dem »in den kommenden Jahrzehnten« rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Allein in Deutschland sind seit Mitte der 60-er Jahre 80 % aller Insekten und Vögel verschwunden!

Keine Frage der Klimaschutz ist absolut wichtig, doch er darf dem Artenschutz nicht übergeordnet werden. Mit jeder Art und mit jedem Lebensraum, der vernichtet wird, wird etwas unwiederbringlich ausgelöscht, von dessen Funktion Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit abhängen. Denn überleben können wir nur, wenn wir beides gleich wichtig nehmen! Da jedoch der Klimaschutz ein Wirtschaftsfaktor ist, vor allem durch die Windenergie und der Artenschutz wirtschaftlich keine Rolle spielt, wird hier eine große Doppelzüngigkeit betrieben. Allein durch den drastischen Ausbau von Windkraftanlagen, auch in artenreichen Regionen sterben jedes Jahr Milliarden Tiere und damit trägt er massiv zum Artensterben bei.

Quelle Geo-Magazin: „Allein in den vier norddeutschen Bundesländern sterben jedes Jahr mehr als 8500 Mäusebussarde an Windkraftanlagen. Das entspricht fast acht Prozent der gesamten Population in diesen Ländern. Außerdem wissen wir, dass jedes Jahr in Deutschland 250.000 Fledermäuse an Rotoren umkommen. Auch das ist bedenklich, denn Fledermäuse haben eine niedrige Fortpflanzungsrate und können Bestandsverluste daher nur langsam ausgleichen - wenn überhaupt.“

Das hat auch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin in seiner Studie von 2016 festgestellt. Und da die Zahl der Anlagen seitdem zugenommen hat, hat sich auch die Zahl der getöteten Tiere bis heute noch erhöht.

Der NDR meldet, dass seit dem Jahr 2002 bis heute offiziell 158 Seeadler in Deutschland von Windkraftanlagen getötet wurden. In dieser Rechnung nicht enthalten sind Tiere, die (teilweise schwer) verletzt wurden und nicht gemeldete Todesfälle. Besonders Greifvögel sind gefährdet: Sie sehen nach unten, wenn sie jagen und übersehen deshalb oft die Rotorblätter. Zudem nutzen viele Vögel die Thermik der Räder, aber die kann ihnen schnell zum Verhängnis werden.

2002 wurde damit begonnen, die Schlagopfer bundesweit in einer zentralen Datensammlung an der Vogelschutzwarte in Brandenburg zu erfassen. Bis 2017 wurden in Deutschland knapp 400 tote Rotmilane gezählt. Da Rotmilane zu den besonders schützenswerten Vögeln gehören und 50 Prozent ihres Gesamtbestandes in Deutschland brüten, gelten sie als am meisten gefährdet. Insgesamt wurden von 2002 bis 2017 3550 Kollisionsopfer aller Vogel-Arten dokumentiert, darunter auch Adler und Störche. Die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen, weil wahrscheinlich nicht alle Schlagopfer gefunden und gemeldet werden.

Windräder sind nicht nur für Vögel und Fledermäuse eine tödliche Gefahr – auch Insekten sterben milliardenfach durch die Rotorblätter der Anlagen. Das hat eine Modellrechnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ergeben. Die meisten dieser Insekten würden eine Begegnung mit einer Windkraftanlage überleben, so die Forscher. Fünf Prozent aber sterben durch die Rotorenblätter. Das macht dann rund 1200 Tonnen tote Insekten – oder in absoluten Zahlen: fünf bis sechs Milliarden Heuschrecken, Bienen, Wespen, Zikaden und Käfer, die an jedem Tag der warmen Saison sterben.

Was ein wirklich nachhaltiger Ansatz wäre, ist das Energiesparen. Doch gerade durch die stromsparende LED-Beleuchtung hat sich paradoxerweise der Stromverbrauch erhöht, weil es ja für den einzelnen so günstig ist. Deshalb herrscht neuerdings vielerorts eine totale Überleuchtung, die im übrigen auch Milliarden Insekten und Vögeln jede Nacht das Leben kostet. Hier kann jeder selber seinen Teil zu beitragen und unnötige Beleuchtung ausschalten!!! Auch die Digitalisierung und die hochgelobte E-Mobilität bei Fahrzeugen tragen zum erhöhten Stromverbrauch bei.

Wie jetzt politisch geplant, ist ein noch drastischerer Ausbau von Windparks in ländlichen Regionen, gerade hier in Norddeutschland, daher mehr als kritisch zu betrachten. Der meiste Strom wird in den Ballungszentren verbraucht, doch die höchste Anzahl an Windrädern steht in ländlichen Regionen, inmitten der Natur. Wäre es daher nicht viel sinnvoller Anlagen in der Nähe von Industriegebieten und Städten zu bauen, wo wir die Natur weniger beeinträchtigen?

Auch der jetzt geplante weitere Ausbau des Windparks in der Nähe meines Dorfes, würde die hier nachweislich vorkommenden, verschiedenen Fledermausarten, die Kraniche als Zugvögel und Dauergäste, als auch einige ansässige Greifvogelarten, wie den Rotmilan (regelmäßiges Brutgebiet) und seit einigen Jahren den regelmäßig gesichteten Seeadler noch stärker bedrohen, als es der schon vorhandene Windpark bereits tut. Doch bislang scheint das niemanden von den Verantwortlichen zu interessieren. Denn Windräder bringen Geld in die Gemeindekasse und zu den Landbesitzern… Rotmilane und Fledermäuse jedoch nicht!

Doch Artenschwund ist unumkehrbar, daher müssen wir den Artenschutz genauso ernst nehmen, wie den Klimaschutz…

Sabine Bengtsson